Ein Kleingarten kann eine Erholungswelt sein

Seit 1924 pflegen Gartenfreunde im Zschorlauer Unterdorf zwischen Schrebergartenweg und Hoher Weg die Kleingartenanlage des Naturheilvereins Zschorlau. Vor 92 Jahren war diese Anlage eine Lebensnotwendigkeit in den Hungerjahren nach dem  1. Weltkrieg – da wurde auf 80 bis 100 m² jeder Zentimeter genutzt. Die Naturheilfreunde hatten sich – nachweislich – seit 1911 um Pachtland für Kleingärten bemüht. Erst das Kleingartengesetz der Weimarer Republik von 1919 räumte den Naturheilfreunden eine kostengünstige Chance ein. Seit dem ist über mehrere Generationen hinweg eine feste, fleißige und lebensfrohe Gemeinschaft gewachsen.

Niemand hungert mehr, aber alle essen wir mit Stolz die Früchte unserer eigenen Arbeit, erfreuen uns an Blüten und Blumen über die ganze Saison, latschern über den Gartenzaun, helfen uns auch untereinander, tauschen Erfahrungen aus, schenken uns gegenseitig Pflanzen, wenn mal viele Senker anfallen, trinken fix mal gemeinsam  Kaffee, Bier oder andere Köstlichkeiten und genießen das manchmal arbeitsreiche, aber schöne Leben an der frischen Luft.Leben im Kleingarten macht viel Freude, sei es an der Blumenpracht, an dem Gemüse, dem Obst, was uns durch unsere stete Pflege eine reiche Ernte einbringt, die natürlich sehr gesund ist. Für diesen Anbau nutzen wir einen Teil unseres Gartens. Auch in unserer Gemeinschaft gibt es Pflichten. Zum Beispiel sind jährlich von den Mitgliedern zur Erhaltung und Verschönerung der Gartenanlage Arbeitsstunden in der Anlage zu leisten. In unserer Mitgliederversammlung zu Beginn des Gartenjahres erfahren wir vom Vorstand in seinem Rechenschaftsbericht Wichtiges über das vergangene und das neue Gartenjahr.

Unsere besondere sonnenreiche Südwest-Hanglage ist gut für individuelle Erholung und ertragreiches Pflanzenwachstum geeignet. Haben wir doch den längsten Sonnenschein in der Zschorl. Mit dem Aufräumen im Garten und in der Anlage steuern wir auf den 30. April zu, dem zweiten Höhepunkt im Jahr – dem Hexenfeuer. Am späten Nachmittag des 30. April jeden Jahres treffen sich viele Gartenfreunde, jeder mit dem, worauf er Appetit hat, der Grill wird angefeuert, Bier, Wein Sprudel, Kaffee u. a. machen die Runde und bei gutem Essen und Trinken und viel Erzählen und Lachen verbringen wir die Zeit bis zur Dämmerung. Dann wird das Walpurgisfeuer entzündet.

Wenn dann die meisten Gartenfreunde nach Hause gehen, ist der Haufen niedergebrannt, alle sind satt und haben Gutes getrunken und vor allem nach einem halben Jahr viel Neues und Wissenswertes erfahren. Unser erstes kleines jährliches Gartenfest ist immer wieder ein gelungener Auftakt des Gartenjahres.Sehr beliebt in unserem Verein sind die jährlichen Exkursionen bzw. Ausfahrten. In Dresden – Pillnitz war für uns neben dem Schloss die Landesversuchsanstalt für Pflanzenbau sehr lehrreich. Auch die Festung Königstein war ein großes Erlebnis. In Naumburg begeisterte uns der Dom, in Freyburg die Neuenburg und vor allem die Besichtigung und Verkostung in der Sektkellerei. Sehr entspannend war unser Tagesausflug in den Spreewald mit einer romantischen Kahnfahrt. Sehr interessant waren auch die Ausstellungen im Dresdener Panometer zur spätmittelalterlichen Architektur und im Leipziger Panometer, wo wir von den überwältigenden Aufnahmen des großen Barriere Riffs bei Australien begeistert waren. Auch die sächsische Landesgartenschau in Oelsnitz war unser Reiseziel. Diese erlebnisreichen Tagesfahrten finden mit einem guten Abendessen in einer ausgewählten Gaststätte einen schönen Abschluss.Vor allem außerhalb, aber auch während der Gartensaison spielen einige Gartenfreunde sehr gern Karten, die Frauen spielen Rommeé, die Männer Skat.

Damit das Ganze nicht zu trocken ist, beginnt so ein Nachmittag mit Kaffee, sehr leckeren selbstgebackenen Torten und Kuchen. Zum Abendbrot gibt es Kartoffelsalat und Würstchen, Wurstsalat und anderes. Wenn wir dann so gegen 21.30 Uhr das Gartenheim verlassen, sind wir auf dem neuesten Stand der Dinge und ein vergnüglicher Nachmittag und Abend liegt hinter uns.Natürlich sind wir für viele dieser Aktivitäten in der bevorzugten Lage, dass wir über ein Gartenheim verfügen, mit großem Saal und Veranda im Obergeschoss sowie im Parterre über einen Klubraum. Diese sind für Veranstaltungen und Gartenfeste auf Mietbasis nicht nur für Vereinsmitglieder nutzbar, manchmal auch als Ausweg, wenn Petrus nicht mit uns im Bunde ist.Dass das alles funktioniert, erhalten bleibt und auch modernisiert wird, dafür sorgt unser Vorstand, wobei einzelne Gartenfreunde über die Werterhaltungsstunden hinaus den Verein und den Vorstand bei ihren Bemühungen unterstützen, der Wasserwart ist dabei besonders wichtig, damit alles schadlos funktioniert. Ein anderer Gartenfreund sorgt dafür, dass der Verein im Internet gut dargestellt wird. Zwei Gartenfreunde kümmern sich um die Chronik und Geschichte des Vereins, zurzeit fünf repräsentative Bände, was natürlich auch für die Ortsgeschichte und die Landesgeschichte Beiträge ergibt.Sehr erfreut sind wir darüber, dass in den letzten Jahren verstärkt junge Familien wieder Begeisterung für den Kleingarten gefunden haben und die Vorzüge des Gartens in freier Natur für sich und ihre Familie genießen.Und jetzt das Beste – bei uns ist noch Platz für euch!Wer Interesse hat, dem können wir mit einigen wenigen frei gewordenen Gärten eine Freude bereiten. Auf jeden Fall lohnt es sich, bei unserem Vorsitzenden Wolfgang Huth in Zschorlau, Am Gemeindeberg 1, nachzufragen und einen Besichtigungstermin zu vereinbaren. 2018 feiert der Verein sein 125-jähriges Bestehen und dies wollen wir ausgiebig feiern.

Der Vorstand des NHV e.V. Zschorlau